Gebärden rund ums Boot

Gestern hatte ich ja über die Frage geschrieben, ob Gehörlose/ Hörgeschädigten den Bootsführerschein machen können. Ursprünglich wollte ich da auch ein Video mit Gebärden rund ums Boot anhängen. Doch leider habe ich außer „Boot“ und „Knoten“ nicht herausfinden können, welche es gibt.

Sind die Gebärden für „steuerbord“ und „backbord“ gleich „rechts“ und „links“?
Gibt es für die einzelnen Knoten (Palstek, Kreuzknoten, Webeleinstek…) Gebärden oder werden die als „P + Knoten“ und „Kreuz“+ „Knoten“ gebildet?
Wie sind die Gebärden für „Luv“ und „Lee“?

Bitte schickt mir Gebärden rund ums Boot!

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich das erfahren könnte. Wenn jemand diese Gebärden oder auch nur einige davon kennt oder andere zum Thema „Boot fahren“, wäre es nett, wenn Links zu entsprechenden Videos oder Bildern als Kommentar gepostet werden könnten.
Oder wenn der geneigte Leser Gehörlose mit Bootsführerschein kennt, kann bitte auf diesen Blogbeitrag aufmerksam gemacht werden? Vielen Dank!

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Bootsführerschein erwerben trotz Hörbehinderung?

Da ich zurzeit einen Kurs an der Volkshochschule über die Gebärdensprache besuche, ist mir der Gedanke gekommen, ob wohl Gehörlose auch den Bootsschein machen können. Das Problem sind die akustischen Signale, die beispielsweise vor dem Zusammenstoß oder dem Austritt gefährlicher Stoffe warnen. Daneben gibt es auch Lichtsignale, aber bei schlechter Sicht (Nebel, Schneefall oder starker Regen) werden auch akustische Signale verwendet.
Da der Gleichgewichtssinn auch im Ohr liegt, habe ich mich gefragt, ob es bei einer Störung des Hörsinns auch Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht geben kann, was auf einem Boot eher zu Schwierigkeiten führt als an Land.

“Das erforderliche Hörvermögen ist vorhanden, wenn Sprache mit oder ohne Hörhilfe in gewöhnlicher Lautstärke in 3 m Entfernung mit dem jeweils dem Untersucher zugewandten Ohr und in 5 m Entfernung mit beiden Ohren zugleich verstanden wird.” (Ärztliches Zeugnis für Sportführerscheinbewerber)

Der Deutsche Gehörlosen Bund e.V. sähe es gern, dass die strengen Auflagen für Hörgeschädigte gelockert werden, da Gehörlose im Alltag bewiesen, dass sie zum Führen von Fahrzeugen geeignet sind. Beim KfZ-Führerschein gibt es keine Einschränkungen und der DGB sähe das gern auf den Bootsschein übertragen.

Da ich selbst noch keine Praxis auf dem Boot habe, kann ich nicht beurteilen, ob man das Führen eines KfZs mit einem Boot vergleichen kann. Wenn ein Krankenwagen sich von hinten mit Blaulicht und Ton nähert, sieht man eventuell das Licht und wie die hinteren Autos ausweichen. Auf einem See mit Nebel kann man sich eben nicht auf den Sehsinn verlassen, wenn man die akustischen Signale nicht hört. Daher glaube ich nicht, dass sich der Sachverhalt so leicht von der Straße auf das Wasser übertragen lässt.

Bootsschein für Gehörlose und Schwerhörige

Ich habe mich mal ein wenig virtuell umgehört und bei einigen Bootsschulen, dem Deutschen Motoryachtverband (DMYV) und dem Deutschen Gehörlosenbund angefragt, ob Gehörlose den Bootsschein erwerben können.
Eine Anfrage beim DMYV ergab, dass es unter Auflagen für Hörbehinderte möglich ist, den Sportführerschein-Binnen zu erwerben. Der DMYV schreibt allerdings, dass ein Resthörvermögen vorhanden sein muss und dass die genauen noch hörbaren Frequenzbereiche aus einem fachärztlichen Gutachten hervorgehen müssen. Eine Begleitperson, die mit dem Hörgeschädigten mittels Gebärdensprache kommunizieren kann, ist für die Prüfung zugelassen und der Prüfling muss zeigen, dass die Sicherheit des Schiffsverkehrs nicht beeinträchtigt wird.
Für das Segel ergeben sich laut Aussage des DMYV keine Einschränkungen.

Bootsschulen für Gehörlose und Schwerhörige

Nachdem also feststeht, dass es für Gehörlose bzw. Schwerhörige möglich ist, den Sportbootführerschein Binnen zu erwerben, habe ich bei 22 Bootsschulen bundesweit angefragt, ob sie Kurse für Gehörlose anbieten. Dabei war nicht gemeint, ob sie explizit Kurse für Gehörlose mit einem zentralen Dolmetscher oder gar gehörlosen Kursleiter anbieten, sondern ob sie überhaupt gehörlose Schüler haben.
Zehn von 22 Bootsschulen hatten nach zwei Wochen geantwortet.
Die Mehrzahl der Bootsschulenleiter ist der Auffassung, dass es wegen des Hörtests nicht möglich ist. Andere sind jedoch besser informiert. Steffen Boettcher von der Bootsschule Meer-Seen beispielsweise hat sehr schnell geantwortet. Nach seiner Aussage kann der Sportbootführerschein See nicht von Gehörlosen absolviert werden, der Sportführerschein Binnen dagegen schon. Allerdings gibt es die Einschränkung, dass immer eine Begleitperson ohne Hörschädigung mit an Bord sein muss, was auch im Führerschein eingetragen ist. Die Begleitperson muss nicht über den Bootsschein verfügen. Das deckt sich also mit der Aussage des DMYV.
Andere Bootsschulen verlangen, dass die Begleitperson ebenfalls im Besitz des Bootsscheines ist. Ob sie damit weitere Schüler gewinnen möchten oder es wirklich nicht besser wissen, bleibt ungewiss. Wobei es sicher sinnvoll ist, wenn sowohl die Begleitperson als auch der/ die Gehörlose Theorie und Praxis beherrschen, denn vier Augen sehen mehr als zwei.
In einem sehr netten Gespräch mit Herrn Schertel von der Bootsschule The Boat People in Berlin-Köpenick erfuhr ich, dass aus seiner Sicht “alles möglich ist”. Er ist Sponsor des Deutschen Paralympics Segelteams und hat daher Erfahrung mit interessierten Wassersportlern, die verschiedene Arten von Behinderungen haben. Solange eine Begleitperson mit an Bord ist, die den Bootsführerschein besitzt, sieht er keinerlei Probleme. Er sieht es eher als bedauerlich an, dass so wenige Menschen mit Behinderung die Motivation zum Wassersport haben. Zum Teil liegt das aus seiner (und auch meiner) Sicht an der Unwissenheit über die Möglichkeiten. Aber mit diesem Beitrag hoffe ich doch, dass klar gestellt wird, dass mit gutem Willen eben wirklich alles möglich ist.
Einige der angeschriebenen Bootsschulen sowie eine, die ein Tipp vom Deutschen Gehörlosen Bund e.V. war, haben bereits Gehörlose ausgebildet und würden das auch wiederholen.

Diese Bootsschulen haben bereits Gehörlose ausgebildet:

  • Meer-Seen, Berlin-Köpenick
  • The Boat People, Berlin-Köpenick
  • Walter Weißenburger, Bahnhofstraße 22, 89443 Schwenningen, Tel./Fax: 09070 / 84 50
  • Aquafun.de: Standorte in Hamburg, Mannheim, Gießen, Aschaffenburg, Lübeck, Düsseldorf, Dresden etc. (wenn die Begleitperson den Sbf Binnen besitzt)

Über den Tellerrand hinaus…

  • http://www.gehoerlosblog.de Wer mehr über das Leben der Gehörlosen erfahren möchte, dem empfehle ich das Blog von Judith Göller.
  • http://www.rolly-tours.de Die Bootsschule in Rheinsberg ermöglicht Rollstuhlfahrern den Erwerb des Bootsführerscheins mithilfe eines barrierefreien Bootes.
  • Jenseits der Stille Coming-of-Age-Film von 1998 über Lara, hörende Tochter zweier gehörloser Eltern.
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Bootsschein Theorieprüfung: Umstellung auf Multiple-Choice ab 1. Mai 2012

Wie ich der Seite des Deutschen Motoryachtverbandes e.V. entnehmen konnte, wird der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung für den Bootsschein ab 1. Mai nächsten Jahres auf das Multiple-Choice-Verfahren umgestellt. Der DMYV hat auch die Presseerklärung des Bundesministeriums für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung veröffentlicht, aus der Genaueres hervorgeht.

Multiple-Choice-Fragen im der Theorieprüfung zum Bootsschein

Das Bundesministerium hat beschlossen, dass mehr Praxiswissen abgefragt werden soll und der Anteil des Theoriewissens in der Prüfung wird erheblich gekürzt. Auch sollen die Prüfungsfragen für den Sportbootführerschein-See und die für den Sportbootführerschein-Binnen besser aufeinander abgestimmt worden sein. Der Vorteil soll für den Prüfling darin liegen, dass man vom Abfragen der Basisfragen bei der Prüfung für den SBf-Binnen befreit wird, wenn man den SBf-See bereits erworben hat und umgekehrt.

Der Vorteil für die Prüfer liegt in der einfachen Auswertung mittels Lösungsschablonen.
Der Fragenkatalog wird am 15. November 2011 veröffentlicht.

Folgen der Umstellung

Das wird wohl bedeuten, dass eine neue Welle Lehrbücher für den Erwerb der Sportbootführerscheine auf den Markt kommen muss und die Verlage haben dafür vom 15. November bis 30. April 2012 Zeit. Ich weiß nicht, wie lange so etwas dauert, aber das klingt für mich stressig. Wenn man noch bedenkt, dass vorher die Buchmesse in Leipzig (nämlich schon im März) ist, könnte das so richtig eng werden. Allerdings weiß ich nicht, ob solche Bücher auf der Messe in Leipzig gezeigt werden; als ich da war, habe ich nicht auf Sachbücher geachtet.

Vor- und Nachteile des Multiple-Choice-Verfahrens

Persönlich stehe ich Multiple-Choice-Verfahren skeptisch gegenüber. Man wird doch sicher eher noch verwirrt durch Antworten, die der richtigen nahe kommen. Man nennt die falschen Antworten zu Recht Distraktoren, wie ich gerade nachlese. Andererseits hängt es auch von einem selbst ab, wie man lernt. Man kann selbstverständlich den Fragekatalog auswendig lernen und sich so Faktenwissen aneignen. Zusammenhänge versteht man dabei womöglich nicht. Die andere Strategie, die ich vermutlich mit dann veralteten Lehrbüchern verfolgen werde, ist das Lernen der Zusammenhänge, mit denen man dann auch die Fragen beantworten kann. Oder besser eine Kombination aus beidem.

Links

DMYV Presseerklärung Die Presseerklärung des Bundesministeriums für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung im Wortlaut

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Ein erster Blick in ein Lehrbuch zum Bootsschein

War vor einigen Tagen in der Bibliothek, wo ich mich erst einmal anmelden musste, weil ich noch nicht so lange wieder in Berlin wohne und bisher noch kaum offline gelesen habe. Eine Bibliothek ohne Teppiche und mit lauten Türen. Was ist das nur für eine Welt?

Eine kleine Abteilung (ca. 40cm Regalbodenbreite) haben die tatsächlich zum Thema Segel- und Motorboote. Da hat sich der Jahresbeitrag gelohnt.

Die hilfsbereite Bibliothekarin hat mir „Der Sportbootführerschein Binnen Segel + Motor“ von Axel Bark herausgesucht. Enthalten ist der amtliche Fragenkatalog.
Anhand von den Kapiteln vorangestellten Fragennummern lässt sich erkennen, ob es für den Segelbootschein oder den Motorbootschein geschrieben ist. Ist etwas unpraktisch, weil man viel blättern muss.

In den Fragenkatalog habe ich schon reingeschaut. Gesetzliche Bestimmungen muss ich wohl können, Knoten und die verschiedenen Schallzeichen und „Verkehrsschilder“.
Und schon auf den ersten Seiten wird man ins kalte Wasser geworfen (pun intended) : „Die Schwertjolle […] ist mit einem aufholbaren Schwert versehen.“ Was? Schwert? Ich will doch nicht das Joustieren erlernen! Wo ist das Glossar??? Ah, hinten im Buch ein „Kleines Segellexikon“: Schwert ist „eine absenkbare Platte in einem Schwertkasten zur Verminderung der Abdrift eines Schwertbootes. Man unterscheidet Senk- und Steckschwerter sowie Seitenschwerter.“ Damit ist mir nicht so wirklich geholfen. Ich glaube, dass ist der Plömmel, der unten am Kiel herausragt. Wie die Rückenflosse bei Fischen nur eben unten.
Die Knoten werden auch behandelt (dazu später mehr). Aber leider ist mein Lieblingsknoten, die Affenfaust, gar nicht dabei. Den hatte ich auf einer Übersichtsseite im Internet entdeckt. Dabei wollte ich den wegen seines Namens eigentlich gern lernen.

Eine Auswahl an Sätzen, die ich besonders schön finde, weil ich sie einfach nicht verstehen kann:

“Drahttauwerk ist für Wanten und Stangen sehr fest geschlagen, für Fallvorläufer, die Dirk oder evtl. den Baumniederholer lose geschlagen.“ (S. 28)

Want und Dirk sind aber Begriffe vom Segelboot, die ich also nicht unbedingt kennen muss. Puh!

“Deshalb sollten wir auf Kielyachten als erstes sofort anluven und durch den Wind drehen – wobei wir die Fock backstehen lassen und das Großsegel fieren.“

Das scheint doch wieder Segelboote zu betreffen.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich mir Vokabelkärtchen schreiben muss.

Alles in allem scheint mehr als die Hälfte des Buchtextes sich mit Segelbooten auseinanderzusetzen. Ein Lehrbuch nur für Motorboote würde mich mehr motivieren, weil es wesentlich dünner wäre, ich nicht so viel überblättern müsste und ich mich nicht von so vielen Fachbegriffen verunsichern lassen würde.

Bei der Fahrschule erhält man aber auch Lehrbücher, die dann hoffentlich auf meinen Zweck zugeschnitten sind.


Quellenangabe

  • Axel Bark: Der Sportbootführerschein Binnen Segel + Motor, Bielefeld 1997, ISBN: 376880979X
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